Asgarda, moderne Amazonen



Ich dachte ja immer, der Amazonenkult sei ausgestorben (leider). Doch heute stolperte ich über diese Seite, die eine ukrainische Gruppe bestehend aus ca. 150 Frauen vorstellt. Sie nennen sich Asgarda, betreiben Kampfsport, rasieren sich den unteren Teil ihrer Haare und leben autonom, soweit es irgend geht auch ohne jeglichen Kontakt zu Männern. Angeführt von Katerina Tarnouska verehren sie die momentan inhaftierte Revolutionärin Yulia Tymoshenko.
Leider habe ich wenig über diese Gruppe in Erfahrung bringen können. Die Bilder stammen von Guillaume Herbaut, der Asgarda 2004 besuchte und ihren Alltag mit seiner Kamera dokumentierte. Ob es diese Gruppe heute, Ende 2011, immer noch gibt, ist, soweit ich das herausfinden konnte, nicht bekannt.

Die Idee einer autonomen Gemeinschaft von Frauen, die ihr Leben möglichst ohne Männer gestaltet, finde ich spannend. Allerdings ist es nahezu unmöglich, eine wertende Aussage zu machen, wenn so wenig Informationen vorhanden sind. Der Kampfsport und das Rasieren der Haare sind mit Sicherheit auch symbolische Zeichen in Zeiten, in denen in der Ukraine (und auch in den allermeisten anderen Ländern der Welt) immer noch Frauen belästigt und herabwürdigend behandelt werden.

Vielleicht lässt sich ja irgendwann noch mehr über Asgarda, die modernen Amazonen, herausfinden.

alle Bilder (c) by Guillaume Herbaut

6 x kommentiert:

  1. Ohne Männer... ist das nicht die falsche Art der Emanzipation?

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  2. Ich denke nicht, dass es hier speziell um Emanzipation geht. Männerbünde gibt es schließlich schon ewig und bei denen hat sich nie jemand gefragt, warum sie ohne Frauen leben. Nun das umgekehrte Beispiel.

    Ich glaube, es ist für Frauen wichtig, sich ihren Teil der Geschichte und Kultur zurückzuholen - das, was Männer einst nahmen und immer noch nehmen. Diese Art des "Reclaimings" ist nur ohne Männer möglich. Denn warum Männer einbeziehen? Warum versuchen, sie verstehen zu lassen? Ist es nicht viel wichtiger, dass Frauen sich untereinander stark machen, allein und ohne Anhängsel?

    Wäre die Situation andersherum, würde übrigens niemand nur eine Augenbraue hochziehen.

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  3. Oh doch, ich schon. Ich finde, es geht dabei schon um Emanzipation, denn was strebt man denn am Ende an? Meiner Meinung nach sollte es in Richtung Gleichberechtigung gehen, aber kann das funktionieren, wenn sich am Ende zwei verschiedene Kulturen parallel entwickeln? Den Männern auszuweichen löst meiner Meinung nach das Problem nicht. Männerbünde finde ich übrigends nicht richtiger, nicht falsch, genauso wenig wie diese Idee, aber Männerbünde sind insofern "richtiger" als dass sie ihr Ziel effektiver verfolgen, so falsch dieses auch sein mag, um eine Gleichberechtigung, auch im kulturellen Sinne, zu erreichen, sollte man denke ich eher versuchen das mit den Männern zu tun, so ändert man doch auch deren Einstellung nicht und das wäre nunmal notwendig, wenn diese Kultur nicht mehr genommen werden soll. Weder die Lehrmeinung im Hinblick auf zum Beispiel Geschichter als auch die der Theologie werden sich ändern, wenn es nicht HistorikerInnen und TheologInnen gibt, die etwas anderes glaubhaft darlegen. Und wenn Männer ihre Meinung und Haltung ändern sollen, müssen sie dann nicht verstehen?

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  4. Erst einmal ist es sowieso schwer, hier irgendetwas hineinzuinterpretieren - dafür gibt es einfach zu wenig Informationen über Asgarda.

    Desweiteren sehe ich es etwas anders als du. Um eine Emanzipation erreichen zu können, braucht es zu aller erst starke Frauen, die auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen. Aber diese Frauen müssen erst wieder stark werden und sich vielleicht sogar selbst klar werden, dass sie nicht emanzipiert behandelt werden. Ich denke, wenn Asgarda einen politisch/kulturellen Zweck hat, wird er in genau dieser ersten Stufe liegen. Frauen erst untereinander stark machen, um dann in die weite Welt zu gehen.

    Von Gleichberechtigung würde ich im Übrigen nicht reden wollen, denn gleichbeRECHTigt sind ukrainische Frauen. Hier geht es nicht so sehr um Rechte im politischen Sinn wie um kulturelle Ungleichheiten.

    In der späteren Debatte magst du durchaus Recht haben, da gehören Männer natürlich dazu, denn sie sind nun mal eine Hälfte der Bevölkerung - ohne sie wäre Emanzipation kaum durchsetzbar. Aber hier befinden wir uns, wenn überhaupt, noch eine Stufe vorher, wo Frauen erst zu dem Kampfgeist und Willen gelangen müssen, den sie später brauchen werden.

    "[...] aber Männerbünde sind insofern "richtiger" als dass sie ihr Ziel effektiver verfolgen, so falsch dieses auch sein mag"
    Das finde ich sehr interessant. Inwieweit sind Männerbünde denn deiner Meinung nach effektiver? Und was bringt dich zu dem Schluss, dass Frauenbünde dies nicht sind bzw. nicht so sehr?

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  5. Ja, in der ersten Stufe, da stimme ich durchaus zu. Ich finde aber, dass wir die in Deutschland zumindest schon erreicht haben.

    Wenn ich von Gleichberechtigung rede, dann meine ich auch eine Änderung der Denkweise, nicht nur politische Rechte, denn damit ist es natürlich nicht getan. Sozusagen gleiche Rechte, die auch so gelebt werden.

    Ich meine das mit den Männerbünden ganz wertfrei. Sie erreichen eher, was sie dadurch bezwecken wollen, dass sie ein Männerbund sind. Frauenbünde wollen ja im Endeffekt sogesehen Gleichberechtigung, das ist vielleicht im ersten Schritt effektiv, dann aber nicht mehr und ich habe stets das Gefühl, dass sie gar nicht den nächsten Schritt gehen wollen. Männerbünde wollen so etwas nicht, sie wollen Frauen ausschließen und schaffen das sehr effektiv. Sie haben beide einen unterschiedlichen Zweck, wodurch dasselbe Modell nicht gleichtgut funktioniert.

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  6. Von Deutschland haben wir aber nicht gesprochen. Ich jedenfalls habe von Asgarda aus argumentiert.
    Ich glaube, da gehst du gerade zu weit vom eigentlichen Thema weg. Gleichberechtigung und Emanzipation kann man natürlich auch vollkommen allgemein diskutieren, aber hier ging es nur um die kleine Frauengruppe in der Ukraine - nicht um den allgemeinen und internationalen Stand der Frau.

    Da bin ich anderer Meinung. Ich denke, Frauen sind genauso effektiv, es fällt nur nicht so sehr auf, da der Blick der Öffentlichkeit immer zuerst auf den Männern liegt - die außerdem, bedingt durch kulturelle und politische Zusammenhänge, oft kontroversere und strittigere Angelegenheiten austragen. Effektiver sind sie deshalb noch lange nicht, nur sichtbarer.
    Und was Frauen- bzw. Männerbünde wollen, kann man nicht so genau sagen. Es gibt die und die Gruppierungen - dein Blick dafür scheint etwas vorurteilsbeladen zu sein. Nicht alle Männer wollen Frauen ausschließen, nicht alle Frauen wollen Emanzipation, sagen aber dann kein Wort. Dieses Bild mag wieder von den verschiedenen Vorangehensweisen der Gruppen geprägt sein. Männer gehen oft aggressiver nach Außen, während Frauen konstruktiver und redseliger sind. Beides hat sich natürlich aus den beiden Rollenbildern entwickelt, die selbst aus unserer heutigen Gesellschaft nicht wegzudenken sind.

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